Zecken ganzjährig, auch in Gärten

Zecken sind heute quasi ganzjährig aktiv, und ihr Lebensraum beginnt vor der Haustür – so das wichtigste Ergebnis einer aktuellen Studie der Universität Hohenheim. „Aufgrund des Klimawandels sind die Spinnentiere nicht mehr nur im Sommer, sondern fast ganzjährig aktiv“, so Prof. Dr. Ute Mackenstedt.

FSME: Vorübergehender Rückgang durch trockene Sommer

Doch Zecken sind nicht nur lästig, sondern können auch Krankheiten übertragen: Insgesamt 221 Menschen erkrankten in der Folge in Deutschland 2015 an der Hirnhautentzündung FSME, eine allerdings geringe Zahl. „Doch der Trend ist trügerisch“, kommentiert Mackenstedt. „Grund für die rückläufigen Zahlen sind zwei besonders heiße und trockene Sommer.“ „Bei solchen Temperaturen sind weder Mensch noch der Gemeine Holzbock sonderlich aktiv, sodass beide nicht zusammen kommen.“

Ganzjährig aktiv: Zecken an Weihnachten

Gleichzeitig bewirke das veränderte Wetter jedoch, dass Zecken quasi ganzjährig aktiv seien. Die Gefahr: „Wir sind es nicht gewohnt, in den ehemals kalten Monaten mit Zeckenstichen zu rechnen, und schützen uns nicht entsprechend.“ Auch Ärzte würden außerhalb des Sommerhalbjahrs kaum an zeckenbedingte Erkrankungen denken. „In diesem Winter haben wir in unseren Zeckenstationen sogar an den Weihnachtsfeiertagen aktive Zecken gefunden“, berichtete Dr. Olaf Kahl, Geschäftsführer der Berliner Firma tick-radar.

Immer häufiger in Gärten eingeschleppt

Auch in anderer Hinsicht würden sich viele Menschen in falscher Sicherheit wiegen: nämlich im eigenen Garten: „Wer aus der Haustür tritt, steht im Lebensraum der Zecken“, fasst Prof. Dr. Mackenstedt die Ergebnisse einer laufenden Studie zusammen. Seit 2014 kontrolliert die Parasitologin rund 100 Gärten im Großraum Stuttgart regelmäßig auf Zecken. Ergebnis: „Inzwischen können wir in 60 Prozent aller Gärten Zecken nachweisen – in Einzelfällen fanden wir in einer halben Stunde bis zu 800 Tiere. Wir können davon ausgehen, dass sich die Ergebnisse auf andere Städte übertragen lassen.“ Faktoren wie naher Wald, Unterholz und hohes Gras begünstigen hierbei zwar große Zeckenpopulationen, sind aber keinesfalls Voraussetzung. „Selbst in kleinen und gepflegten Gärten in den Stadtaußengebieten waren die Zecken noch anzutreffen.“

Ein Grund für die große Verbreitung sind Haus-, Wild- und Nagetiere: „Wir haben insgesamt drei verschiedene Arten von Zecken gefunden. Eine davon wird vor allem durch Vögel verbreitet.“ Andere seien typisch für Wild- und Haustiere. „Man kann einen Garten nicht zeckenfrei halten“, schlussfolgert Prof. Mackenstedt. „Einmal eingeschleppt, bilden sie stabile Populationen.“ Ein weiterer Befund der Studie: Die Tiere breiten sich nicht gleichmäßig in den Gärten aus, sondern beschränken sich mitunter auf extrem kleine Stellen. „In einem Garten fanden wir Zecken nur in einem kleinen Rosmarinstrauch.“

Daher müsse der Mensch lernen, mit Zecken zu leben: „Wir müssen akzeptieren, dass wir die Zecken nicht vollständig vermeiden können. Umso wichtiger ist es, sich entsprechend zu schützen.“

Verbreitungsgebiete in Deutschland weiten sich aus

Nicht nur im Jahresverlauf, auch geografisch dehne sich die Aktivität der Zecken aus, berichtet PD Dr. Gerhard Dobler. Der Mediziner leitet das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr und ist Leiter des Deutschen Konsiliarlabors für Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Die Gebiete mit FSME-Vorkommen lägen überwiegend in Baden-Württemberg und Bayern und in kleineren Teilen von Thüringen, Hessen, Sachsen und Rheinland-Pfalz. In den letzten Jahren mehrten sich allerdings auch Berichte von FSME-Fällen außerhalb dieser bekannten Verbreitungsgebiete, u.a. in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. In Baden-Württemberg gelten 44 Landkreise als Risikogebiete für FSME. Davon haben im Jahr 2015 28 Landkreise Erkrankungsfälle gemeldet. Darunter lag der Landkreis Ravensburg mit elf gemeldeten Fällen an der Spitze.

Gleichzeitig sei die Bandbreite der Krankheiten, die durch Zecken übertragen würden, größer als oft bekannt, führt Dr. Rainer Oehme vom Landesgesundheitsamt Stuttgart aus. So können die Spinnentiere Viren, Bakterien und sogar Parasiten übertragen.

Die bisher wichtigsten Krankheitserreger in Deutschland seien das FSME-Virus und das die Lyme-Borreliose auslösende Bakterium Borrelia burgdorferi sensu lato. Aber auch in Zellen lebende Bakterien, wie Rickettsien, Anaplasmen, Ehrlichien und Coxiella burnetii (Erreger des Q-Fiebers) seien nachgewiesen worden. Für den Erreger der Hasenpest (Francisella tularensis) sei ebenfalls die Übertragung durch einen Zeckenstich beschrieben worden.
Als bester Schutz eignen sich daher Maßnahmen wie lange Kleidung (nach Aufenthalt im Grünen wechseln), hohe Schuhe und das regelmäßige Absuchen nach Zecken.

Weitere Informationen: www.zeckenkongress.de

Foto: Butch - Fotolia

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