Wiederbelebung: „Prüfen, Rufen, Drücken“

Im Ernstfall beherzt zu handeln, tut in Deutschland not: Während in nordeuropäischen Ländern etwa 70 Prozent aller Erwachsenen bei Herzstillstand zu Lebensrettern werden, sind es hierzulande etwas mehr als 30 Prozent. Dabei kann es jeden treffen – als Helfer oder Betroffenen: Plötzlich bricht ein Mensch zusammen – Passanten bleiben erschreckt stehen. Einige von ihnen wissen zwar noch ungefähr, was zu tun ist. Aber die Angst, etwas falsch zu machen, und auch der Ekel vor einer möglichen Mund-zu-Mund-Beatmung lässt sie zaudern. Wertvolle Minuten vergehen. Selbst die kurze Zeit, die professionelle Ersthelfer brauchen, um an den Ort des Geschehens zu kommen, ist zu lang: Bereits drei Minuten nach einem Herzstillstand treten aufgrund des Sauerstoffmangels unwiderrufliche Schäden im Gehirn auf.

Jeder kann zum Lebensretter werden. Unter diesem Motto startete die „Woche der Wiederbelebung“ unter der Schirmherrschaft von Bundesgesundheitsministerium und Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). „Mit einer einfachen Herzdruckmassage kann der Restsauerstoff aus der Lunge im Blut zirkulieren und so bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes die Überlebenswahrscheinlichkeit entscheidend erhöhen“, erklärt der stellvertretende Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin des Dresdner Uniklinikums, Prof. Dr. Axel Heller. Dazu müssen lediglich drei simple Regeln beherzigt werden: „Prüfen. Rufen. Drücken!“: Prüfen, ob die bewusstlose Person noch atmet. Dann unter der europaweit gültigen Notrufnummer 112 den Rettungsdienst rufen. Und schließlich fest und mindestens 100 Mal pro Minute in der Mitte des Brustkorbs drücken und nicht aufhören, bis Hilfe eintrifft. „Mit der Erhöhung der Wiederbelebungsrate durch Laienhelfer könnten in Deutschland jährlich rund 5.000 Menschenleben gerettet werden“, berichtet Prof. Heller, der als Notfallmediziner regelmäßig in Rettungswagen und im Hubschrauber zur Erstversorgung von Patienten unterwegs ist.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe: „Über 50.000 Menschen in Deutschland erleiden pro Jahr einen Herz-Kreislauf-Stillstand zu Hause, am Arbeitsplatz oder im öffentlichen Raum. Nur jeder zehnte Betroffene überlebt diesen Vorfall. Häufig sind Menschen in der Nähe, die eingreifen könnten. Doch leider trauen sich noch zu wenige Beobachter, in einer solchen Situation zu helfen. Denn viele wissen gar nicht: Im Ernstfall zählt jede Sekunde. Wenn sofort mit einer Herzdruckmassage begonnen wird, können sich die Überlebenschancen bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand verdoppeln bis verdreifachen.“

Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): „Mit der gleichzeitig gestarteten Informationskampagne wollen wir erreichen, dass alle Bürgerinnen und Bürger die notwendigen Maßnahmen zur Wiederbelebung kennen und sich im Ernstfall trauen, diese auch anzuwenden. Nach dem Motto ‚Prüfen - Rufen - Drücken‘ kann jeder, unabhängig vom Alter, im Notfall handeln."

Prof. Dr. Thea Koch, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin: „Wenn Passanten oder Angehörige im Ernstfall sofort mit einer Herzdruckmassage beginnen würden, könnten jedes Jahr in Deutschland 10.000 Leben zusätzlich gerettet werden. Denn das Gehirn beginnt bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand bereits nach nur 3 bis 5 Minuten ohne Blutfluss, zu sterben. Daher ist es so wichtig, dass alle Altersgruppen in der Bevölkerung, idealerweise schon in der Schule, für die Laienreanimation sensibilisiert und aktiviert werden. Wiederbelebung muss auch in Deutschland zur Selbstverständlichkeit werden!“

In Kooperation mit der BZgA und unter der Schirmherrschaft von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe setzt sich das „Nationale Aktionsbündnis Wiederbelebung“ dafür ein, das Wissen über Laienreanimation in Deutschland zu erhöhen und zu zeigen: Wiederbelebung ist ganz einfach, jeder kann Leben retten.

Informationsblatt mit Zahlen und Fakten zur Laienreanimation: http://www.bzga.de/presse/daten-und-fakten/wiederbelebung

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.wiederbelebung.de, http://www.einlebenretten.de/handeln.html, http://www.uniklinikum-dresden.de/anae

Foto: Fotolia, Gina Sanders

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