WHO: Weitere Ausbreitung des Zika-Virus

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt davor, dass sich das Zika-Virus vermutlich in ganz Amerika und noch weiter ausbreiten könnte. Der Erreger stammt aus Afrika und tauchte Mai 2015 in Brasilien auf. Die rasche Ausbreitung wird damit erklärt, dass Menschen in Nord- und Südamerika eine natürliche Immunität fehlt. Eine Infektion löst Symptome wie leichtes Fieber, Bindehautentzündung und Kopfschmerzen aus – und, wie sich kürzlich herausstellte, schwere Behinderungen bei mittlerweile Tausenden Neugeborenen. Krankheitsfälle sind bereits in 21 Ländern der Karibik, Nord- und Südamerika aufgetreten. Eine Behandlung oder Impfung ist nicht bislang verfügbar.

Übertragung durch Moskitos

Das Zika-Virus wird durch Stechmücken (Aedes aegypti) bzw. Aedes-Moskitos übertragen, die in allen Ländern Amerikas außer Chile und Kanada existieren. In einer Erklärung der Pan American Health Organization (PAHO) heißt es: "PAHO rechnet damit, dass sich das Zika-Virus zukünftig auch in Ländern und Regionen vermehren wird, in denen diese Moskitos nicht leben." Die PAHO bestätigte auch, dass das Virus im Sperma nachgewiesen wurde und möglicherweise sexuell oder durch Blut übertragen wird.

Viele Infektionen ohne Beschwerden

Rund 80 % der Infektionen verursachen keine Symptome. Doch die größte Sorge sind die potenziellen Auswirkungen einer Infektion bei Schwangeren auf ihre ungeborenen Kinder und deren Entwicklung im Mutterleib: Seit Oktober wurden allein in Brasilien rund 3.500 Babys mit Mikrozephalie (kleingewachsener Kopf) und winzigen Gehirnen geboren. Normalerweise ist diese Fehlbildung sehr selten.

Die PAHO rät daher schwangeren Frauen, besonders vorsichtig zu sein und ihren Arzt aufzusuchen, bevor sie in gefährdete Regionen reisen, und sich auch nach einem Besuch in diesen Gebieten untersuchen zu lassen. Länder wie Kolumbien, Ecuador, El Salvador und Jamaika haben ihren Einwohnerinnen empfohlen, ihre Schwangerschaften zu verzögern, bis mehr über das Virus bekannt ist.

Globale Bedrohung

Prof. Laura Rodrigues von der brasilianischen Akademie der Wissenschaften und der London School of Hygiene and Tropical Medicine erklärt: "Überall dort, wo es Dengue-Fieber und Mücken gibt (…), besteht eine sehr reale Gefahr, dass Virus-Infektionen ausbrechen werden, d. h. nicht nur in Amerika, sondern auch in Asien."

Zunehmend steht das Zika-Virus auch im Verdacht, eine Nervenerkrankung auszulösen – das Guillain-Barré-Syndrom. Das sonst seltene Lähmungssyndrom ist vor allem in Brasilien und El Salvador in den letzten Monaten sprunghaft angestiegen.

Quellen: www.kinderaerzte-im-netz.de, BBC News, PAHO (1 u. 2)

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