„Unser Wille ist freier als gedacht“

Seit Sigmund Freud erscheint das Unterbewusstsein des Menschen eigenständig und vom bewussten Willen nicht kontrollierbar. Doch eine Forschergruppe an der Universität Ulm um den Psychologen Prof. Dr. Markus Kiefer fand nun heraus, dass unser Bewusstsein unbewusste Prozesse im Gehirn deutlich stärker kontrolliert als bislang angenommen. So arbeiten freier Wille und automatische Verarbeitung Hand in Hand statt gegeneinander.

Unbewusste Prozesse, die im Widerspruch zu unseren Absichten stehen, werden somit weitgehend von unserem Bewusstsein blockiert. „Unser Wille ist freier als gedacht“, so Kiefer. Seine Forschungsgruppe konnte mit Messungen der Hirnaktivität im Magnetresonanztomografen (MRT) zeigen, dass bewusste Vorsätze die Arbeit unserer automatischen Systeme im Gehirn steuern.

Diese Kontrolle des Unbewussten durch das Bewusstsein zeige sich, so Kiefer, auch im Alltag: Wer in den Supermarkt gehe, um Spülmittel zu kaufen, sei wenig empfänglich für die Schokolade im Süßwarenregal. Die Situation sei ganz anders, wenn ich gerade hungrig bin und dabei wäre, Nahrungsmittel einzukaufen. Ähnliches gelte auch beim Autofahren: Wer einen Fußgänger auf der Fahrbahn erwarte, könne ihn mit höherer Wahrscheinlichkeit auch dann rechtzeitig erkennen und abbremsen, wenn er am Rande seines Gesichtsfeldes auftauche und damit nicht bewusst wahrnehmbar sei. Die bewussten Absichten und Einstellungen entscheiden somit darüber, ob ein unbewusster Prozess in unserem Gehirn überhaupt ablaufen kann.

Foto: goodluz

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