Trotz Social Distancing: Krätze weiter auf dem Vormarsch

Krätze

Krätze (medizinisch Skabies) kommt seit Jahrhunderten in Deutschland vor. Trotz Kontaktbeschränkungen breitet sich die Krankheit offenbar wieder aus. Sie ist hochansteckend und betrifft alle Altersgruppen, wobei bei Kindern Häufigkeit und Befall tendenziell höher ist als bei Jugendlichen und Erwachsenen. Hervorgerufen wird die Erkrankung durch die Krätzemilbe, die nur den Menschen befällt, in die oberste Hautschicht tunnelförmige Gänge gräbt und dort Eier legt. Die Gänge sind als kleine längliche Knötchen oder Erhabenheiten an den typischen Eindringorten zu erkennen. Betroffen sind beispielsweise die Bereiche zwischen den Fingern und Zehen, Analfalte, Leiste, Knöchel, Brustwarzenhof oder Penisschaft. Als Ausdruck der Immunantwort entsteht nach ca. vier Wochen ein Ekzem oder Ausschlag, der mit starkem häufig nächtlichem Juckreiz verbunden ist.

Es gibt keine gesicherten Zahlen darüber, wie häufig Krätzemilben in Deutschland sind, denn die Krätze ist, abgesehen von Gemeinschaftseinrichtungen, nicht meldepflichtig. „Es gibt mehrere Indizien, die für eine Zunahme des Skabies in Deutschland sprechen“, erklärte jedoch Professor Dr. med. Sunderkötter, Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Dermatologie und Venerologie Halle.

Für den Anstieg sprechen Zahlen Kassenärztlicher Vereinigungen (KV Nordrhein: 200 % zwischen 2014 und 2016) und steigende Zahlen von Krankenhausfällen. Auch die deutlich ansteigende Zahl der Verordnungen von Antiskabiosa (milbenabtötende Medikamente) sind aufschlussreich. Schätzungen gehen von mehreren Tausend Neuerkrankten pro Jahr aus.

Generell ist zu beobachten, dass sexuell übertragbare Infektionen, zu denen Skabies gehört, zunehmen. Auch ist es möglich, dass die komplexe Lokalbehandlung und die Hygienemaßnahmen nur unzureichend durchgeführt werden. Ferner kann das Übersehen von Kontaktpersonen der Erkrankten mit ein Grund sein. Bei Kindern wird Skabies zudem eher spät erkannt und nicht umfassend genug behandelt. Obschon ein zeitlicher Zusammenhang der Inzidenzzunahme in Deutschland mit Migrationsbewegungen aus dem arabischen und afrikanischen Raum existiert, ließ sich ein direkter Zusammenhang epidemiologisch nicht belegen. Möglicherweise komme auch der Arbeitsmigration innerhalb und außerhalb der Europäischen Union eine Bedeutung zu, vermutet Sunderkötter.

Auch wenn Skabies kein medizinischer Notfall ist, so ist doch ein rasches Handeln wichtig. Auch für erfahrene Dermatologen ist die Diagnostik herausfordernd. Ziel der Therapie ist es, die Milben, ihre Larven und Eier abzutöten. Mittel erster Wahl ist Permethrin, meist äußerlich in Cremeform auf. „Es gibt Belege, dass ein ausbleibender Therapieerfolg in Wahrheit Ergebnis einer fehlerhaften Anwendung ist“, erklärt der Experte. So ist die Einwirkzeit manchmal zu kurz, Hautbereiche werden ausgespart oder die Fingernägel werden nicht wie empfohlen gekürzt.

Um eine erneute Infektion des Erkrankten und eine weitere Verbreitung zu vermeiden, müssen alle wichtigen Kontaktpersonen identifiziert und mitbehandelt werden. Da sich die Milben noch bis zu 36 Stunden nach Behandlungsbeginn bewegen können, sollten Körperkontakte nach Behandlung für diese Zeitspanne vermieden werden.

Quelle: www.kinderaerzte-im-netz.de / idw, Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG), J Dtsch Dermatol Ges

Foto: © Maria Fuchs - stock.adobe

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