Schlaganfall: Meist zu spät in der Klinik

Bei Verdacht auf Schlaganfall müssen Betroffene schnellstmöglich in ein Krankenhaus mit spezieller Schlaganfallstation, einer Stroke Unit, gebracht werden. Laut einer Studie unter Federführung der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg erreichen jedoch 60 Prozent aller Schlaganfall-Patienten die Klinik erst dann, wenn das Zeitfenster für die Thrombolyse, bei der mit Medikamenten die Durchblutung im Gehirn wiederhergestellt werden kann, bereits geschlossen ist. 17 Prozent der Patienten, die rechtzeitig in der Klinik eintreffen, werden in Krankenhäusern ohne Stroke Unit behandelt. Dort wird die Lysetherapie deutlich seltener eingesetzt als in spezialisierten Kliniken. Das mindert die Heilungs- und Überlebenschancen. „Es wäre daher wünschenswert, dass Rettungsdienste im Verdachtsfall noch konsequenter als bisher Krankenhäuser mit Stroke Unit ansteuern“, so Studienleiter Professor Dr. Peter Ringleb, Leiter der Heidelberger Stroke Unit.

Fazit der Autoren: Würden alle Schlaganfall-Patienten auf Stroke Units behandelt und hätten damit auch Zugang zu fachgerechter Lysetherapie, blieben deutschlandweit mehreren Hundert Patienten pro Jahr Folgeschäden wie bleibende Behinderungen oder Pflegebedürftigkeit erspart.

40 Prozent der Patienten kommen laut der Untersuchung innerhalb von 4,5 Stunden nach Beginn der Symptome und damit rechtzeitig für eine Lysetherapie in die Klinik. In Schlaganfallzentren wurde bei 44 Prozent dieser Patienten umgehend die Thrombolyse eingeleitet. „In Krankenhäusern ohne Stroke Unit erhielten nur 13 Prozent der rechtzeitig ankommenden Patienten eine Thrombolyse. Besonders ältere Patienten mit bereits vorbestehenden körperlichen Beeinträchtigungen blieben häufig unterversorgt“, so Erstautor Dr. Gumbinger, Koordinator der AG Versorgungsforschung. „Gerade bei diesen Patienten benötigt es viel Erfahrung und Kompetenz, um beurteilen zu können, ob die Lysetherapie durchgeführt werden kann“, betont Professor Ringleb.

Jedes Jahr erleiden rund 270.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall. Ursache ist meist ein akuter Durchblutungsstopp im Gehirn, weil ein Blutgerinnsel eine Hirnarterie verstopft. Je nach Hirnregion kann es zu sehr unterschiedlichen, teils vorübergehenden Symptomen kommen. Typisch ist die Kombination einer schmerzlosen Schwäche eines Arms oder einer Körperhälfte mit Schwierigkeiten beim Sprechen oder Sehen (Alarmzeichen: Lächeln, Mimik, Sprechen oder Armheben beeinträchtigt).

Quelle und weitere Informationen:

www.klinikum.uni-heidelberg.de/Stroke-Unit-Wachstation.684.0.html

Foto: © psdesign1, Fotolia

Zurück