Risiko bei Hausgeburten doppelt so hoch

Hausgeburten gelten als natürlich und sanft, doch kommen dabei offenbar erheblich mehr Kinder und Mütter zu Schaden als bei Klinikgeburten. Dies legt eine amerikanische Untersuchung nahe: So lag die Komplikationsrate demnach bei geplanten Haus- und ambulanten Geburten doppelt so hoch wie bei Klinikgeburten, so das Ergebnis der Statistik-Studie in den USA.

Seit 2012 ist es in Oregon erforderlich, dass in Geburtsurkunden sowohl der geplante Ort der Entbindung als auch der tatsächliche Ort – ob in der Klinik, zu Hause oder in einem Geburtshaus – eingetragen wird. Somit können Forscher nun nachvollziehen, welche Geburten zwar ambulant geplant waren, aber aufgrund von Komplikationen schließlich im Krankenhaus landeten.

Dr. Jonathan M. Snowden und seine Kollegen analysierten in diesem Rahmen Oregons Geburts- und Sterbeurkunden von 2012 bis 2013. Sie konzentrierten sich auf 79.727 Geburten (ohne Mehrlingsgeburten). 95,2 % der Mütter hatten demzufolge vor, im Krankenhaus ihr Kind zur Welt zu bringen, und 4 % planten und realisierten eine Hausgeburt (1.968 zu Hause und 1.235 in einem Geburtshaus). 601 Frauen (0,8%) wollten ihr Kind zwar ambulant zur Welt bringen, mussten aber während der Geburt in ein Krankenhaus gebracht werden.

Von den Müttern, die nicht ins Krankenhaus wollten, benötigten dennoch 16,5 % eine Einweisung in eine Klinik und entbanden ihr Kind dort. Bisher galten diese Geburten als „Krankenhausgeburten“, da das Kind im Krankenhaus geboren worden war. Dabei wurde nicht berücksichtigt, dass die Mutter erst aufgrund von Komplikationen in ein Krankenhaus eingeliefert wurde. „Auf diese Weise wurde das Komplikationsrisiko bisher einfach unterschätzt“, so die Forscher in der im „New England Journal of Medicine“ veröffentlichten Arbeit.

Die fetale Todesrate (verstorbene Feten vor der eigentlichen Geburt) betrug bei Hausgeburten 2,4 von 1.000 Geburten (Klinik: 1,2), die perinatale Sterblichkeitsrate (Tod während der Geburt) 3,9 Todesfälle /1.000 (Klinik:1,8) und die neonatale Todesrate (verstorbene Neugeborene) 1,6/1.000 (Klinik: 0,6). Damit liegt die Todesrate bei Hausgeburten mehr als doppelt so hoch gegenüber einer Klinikgeburt. Auch die Raten von schlechten Apgar-Werten (z. B. Atmung, Herzschlag), Krampfanfällen und mütterlichen Blut-Transfusionen lagen zu Hause und in Geburtshäusern deutlich höher als bei Babys, die im Krankenhaus zur Welt kamen.

Die Autoren schränken ein, dass bei außerklinischen Geburten die Wehen seltener eigeleitet und Kaiserschnitte sowie andere Geburtshilfeverfahren (wie z. B. Zangengeburt) seltener angewendet würden als in einer Klinik.

Quellen: www.kinderaerzte-im-netz.de, Pediatric News, New England Journal of Medicine

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