Psychotherapie: Vorteile für Kassenpatienten

Häufig wird in Bezug auf Privatpatienten von Zweiklassenmedizin gesprochen. Doch in der Psychotherapie funktioniert diese andersherum: Privatpatienten müssen hier gegenüber gesetzlich Versicherten deutliche Nachteile in Kauf nehmen. Darauf weist der Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten (bvvp) hin.

Denn die Gebührenordnungen der Ärzte und Psychologen (GOÄ/GOP), die für die Berechnung der Leistungen die Grundlage bilden, bewerten die gesprächs- und zuwendungsorientierten Leistungen relativ niedrig. Die Behandlung von Privatpatienten ist daher für die Leistungserbringer wirtschaftlich wenig interessant. Viele Privatkassen bezahlen außerdem gar keine Psychotherapie. Denn diese ist nicht einheitlich geregelt und häufig nicht im Leistungskatalog enthalten. Wenn sie zahlen, sind die Rahmenbedingungen und Antragsverfahren viel komplizierter und langwieriger (z. B. keine Berichtsbefreiung für Kurzzeittherapie, kleinere Bewilligungsschritte, keine Bezugspersonenstunden, keine Sprechstundenziffern).

Gesetzlich Versicherte haben hingegen immer Anspruch auf diese Leistung. Die Honorierung wird einheitlich im sogenannten EBM – dem Erweiterten Bewertungsmaßstab der Kassenärztlichen Bundesvereinigung KBV – geregelt. Die Bezahlung der Einzelpsychotherapie liegt hier zum Teil über den privaten Sätzen, z. B. bei der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie oder der analytischen Psychotherapie.

Die Behandlung von z. B. chronisch kranken Privatpatienten, die ein anderes Gesprächsangebot brauchen als die Richtlinienpsychotherapie, ist für psychologische Psychotherapeuten sowie Kinder- und- Jugendlichen-Psychotherapeuten gar nicht möglich. Als Konsequenz ist die Bereitschaft, Privatpatienten im Vergleich zu gesetzlich Versicherten aufzunehmen, eher geringer.

Quelle: Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten (bvvp)

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