Keimherd Brille?

Im Jahr 2018 gab es in der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren rund 44,2 Millionen Brillenträger. Eine Studie an der Hochschule Furtwangen untersuchte nun erstmals systematisch die Keimbelastung der Sehhilfen. Dafür wurden bei 31 Brillen an je sieben Stellen Proben entnommen. „Alle untersuchten Brillen waren bakteriell besiedelt“, erläutert Studienleiter Prof. Dr. Markus Egert. „Am stärksten an Stellen mit direktem Hautkontakt wie Ohrbügel und Nasenpolster. Die geringste Keimdichte fand sich auf den Gläsern.“ Gemessener Spitzenwert waren 660.000 Bakterien/cm2 auf einem Nasenpolster.

Identifiziert wurden vor allem typische Haut- und Schleimhautbakterien, vor allem der Gattung Staphylococcus. Der Anteil an potenziell krank machenden Bakterien lag bei rund 60 %. Diese können vor allem bei geschwächtem Immunsystem Krankheiten auslösen, aber auch für Bindehautentzündungen verantwortlich sein.

Die Untersuchungen zeigten auch, dass sich durch Abreiben von Gläsern und Brille mit feuchten Brillen-Reinigungstüchern eine Keimreduktion um 94–99 % erreichen lässt. Eine trockene Reinigung reduzierte die Keime immerhin noch um 85–90 %.

„Für gesunde Menschen stellt ihre Brille sicher kein besonderes Infektionsrisiko dar“, so Prof. Dr. Markus Egert. „Bei häufig wiederkehrenden Augeninfekten oder einer nötigen MRSA-Sanierung (Beseitigung antibiotikaresistenter Bakterien, A. d. R.) sollte aber auch an eine Desinfektion der Brille gedacht werden.“

Quelle: https://www.hs-furtwangen.de/, https://doi.org/10.1371/journal.pone.0207238

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