Freie Schmerzmittel: Nach vier Tagen muss Schluss sein

Schmerzt der Kopf, der Rücken, die Hüfte oder das Knie, schluckt man eine rezeptfreie Schmerzpille, und das Problem scheint erledigt. Diese häufig falsche Annahme gilt auch für Fieber, Husten, Gliederscherzen oder Krankheitsgefühl. So werden in Deutschland pro Kopf und Jahr ca. 50 Schmerzpillen verkauft – mit einem Gesamtumsatz von rund 570 Mio. €.

Doch zum einen ist der Schmerz nicht Ursache, sondern Folge eines Problems. Zum anderen greifen Schmerzmittel in Körperprozesse wie Immunsystem und Nervenfunktion ein und verursachen damit erhebliche Nebenwirkungen. Bei einer Gewöhnung erfordert dieselbe Wirkung immer mehr Wirkstoff, der seinerseits immer schmerzempfindlicher macht.

Geplante Beschränkung mündet in vagem Hinweis

Deshalb empfahl der Sachverständigenausschuss Verschreibungspflicht am Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte BfArM bereits 2012, Packungen mit mehr als vier Tagesdosen unter Rezeptpflicht zu stellen. Doch das Bundesministerium für Gesundheit brauchte sechs Jahre, um aus der erwarteten Beschränkung eine verwässerte Empfehlung zu machen, die folgenden Passus auf Packungen vorschreibt: „Bei Schmerzen oder Fieber ohne ärztlichen Rat nicht länger anwenden als in der Packungsbeilage vorgegeben.“ Die meisten Verbraucher werden angesichts der vagen Worte die Mittel wie gewohnt verwenden. Zudem wurde den Herstellern eine Übergangsfrist von zwei Jahren eingeräumt.

Vier Wirkstoffe dominieren den Markt

Auf dem Markt sind über 1.700 rezeptfreie Schmerzmittel erhältlich, die von der Bestimmung betroffen sind – man spricht auch von OTC-Analgetika (over the counter) –, meist Kombinationspräparate. Manche wirken angeblich speziell bei Grippe, Kopf- oder Gelenkschmerzen oder bei Kindern. Tatsächlich wirken die Mittel auf den ganzen Körper und enthalten größtenteils einen von vier Wirkstoffen: Ibuprofen, Azetylsalizylsäure (ASS), Diclofenac oder Paracetamol.

Schmerzen als Signal zur Verhaltensänderung

Alltägliche Schmerzen beruhen jedoch überwiegend auf Stress oder Fehlbelastungen und mahnen daher zu Stressmanagement, Entspannung und gesunder Bewegung. Somit sind sie meist keine Krankheit, sondern ein Signal zur Verhaltensänderung. Im Akutfall hilft meist Kühlen (z. B. kühler Lappen auf Stirn oder Knie), Entspannung, frische Luft, lockere Bewegung und evtl. Wärme. Frei verkäufliche Schmerzmittel eignen sich hier nur als kurzfristige Begleitbehandlung über wenige Tage, nicht zur Dauereinnahme oder gar vorbeugend. Denn bereits bei einer Schmerzmitteleinnahme über mehr als drei Tage oder mehr als zehn Tage im Monat steigen die Nebenwirkungen rapide an. Paracetamol – auch in vielen Grippemitteln enthalten – kann bereits bei einer einmaligen Überdosierung die Leber schädigen.

Nebenwirkungen von Magengeschwür bis Diabetes

Zu den Nebenwirkungen zählen Schmerzen, aber auch Nierenschäden: Laut Experten gehen 25 % aller Dialysefälle auf Schmerzmittel zurück. Diese greifen zudem häufig den Magen an – bis hin zum Magendurchbruch. ASS setzt außerdem die Blutgerinnung herab, was Blutungen verstärken (lebensbedrohlich bei Unfällen oder OPs) oder auslösen kann – auch des Magens. Auch Darmgeschwüre zählen zu den typischen Folgen, ebenso wie Asthma, Blutbildveränderungen oder Ekzeme. Somit gibt es keine harmlosen Schmerzmittel.

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