Depression: Umgebung wichtiger als Psychopharmaka

Behandlungen mit Psychopharmaka können nur dann ihr volles Potenzial entfalten, wenn zusammen mit der Behandlung auch die Umwelt und das Verhalten der Patienten verändert werden. Zu diesem Schluss kommt ein Forschungsteam aus klinischen Psychologen, Psychobiologen, Neurowissenschaftlern und Psychiatern anhand einer Zusammenschau von über 150 Arbeiten.

Placebos wirken fast so gut wie Medikamente

Psychopharmaka lindern die Symptome bei Störungen wie Depression oder Schizophrenie häufig, aber nicht immer. So zeigen Studien, dass Placebos (Scheinmedikamente) oft annähernd oder sogar genauso stark wirken wie die Medikamente. Denn die Erwartungen der Patienten an die Behandlung, ihre bisherigen Erfahrungen mit dem Medikament und die therapeutische Beziehung beeinflussen die Wirkung maßgeblich.

Ungünstige Umgebung macht Medikament zur Droge

Ergebnisse aus Tierstudien zeigen: Positive, angereicherte Umwelten (wie zum Beispiel viele soziale Kontakte) verbessern den Behandlungsverlauf erheblich. Schädliche Umwelten hingegen (wie Eintönigkeit oder Isolation) verschlechterten den Behandlungsverlauf ernstlich. „Dies bedeutet, dass ungünstige Umgebungseinflüsse die Medikamentenwirkung nicht nur abschwächen, sondern das Medikament sogar zur schädlichen Droge machen können“, sagt Studienleiter und Psychologe Winfried Rief. „Keine medikamentöse Behandlung wäre hier die bessere Alternative.“

„Unsere Zusammenschau einschlägiger Studien zeigt, dass Psychopharmaka nicht für jeden Betroffenen die Therapie erster Wahl sind“, so Rief. „Für manche Patienten wäre es nach einer gründlichen Kosten-Nutzen-Abwägung besser, wenn sie eine Placebo-Medikation oder eine aktiv-abwartende Begleitung, das ,watchful waiting‘, erhielten. Gerade bei nur mittelschwer Ersterkrankten oder bei wenig unterstützenden Umgebungsbedingungen sollte die Entscheidung zur medikamentösen Behandlung zurückhaltender getroffen werden. Der Einsatz von Antidepressiva macht nur Sinn, wenn man begleitend schaut, dass positive Umgebungseinflüsse den Heilungsprozess unterstützen. Das kann beispielsweise durch eine Psychotherapie gefördert werden.“

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs)

Foto: Rido - Fotolia

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