„Chronische Borreliose“ häufig Fehldiagnose

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) warnt vor nicht ausreichend geprüfter Diagnostik und einer falschen Therapie bei der durch Zecken übertragenen Erkrankung Borreliose. „Viele Patienten, die wegen einer vermeintlichen chronischen Borreliose zum Teil über Monate hinweg Antibiotika bekommen, sind gar nicht daran erkrankt“, sagt Neuroborreliose‐Spezialist Prof. Dr. Sebastian Rauer vom Universitätsklinikum Freiburg. Der Grund liege in falsch positiven Tests, die immer wieder Menschen zu Borreliose‐Patienten machten, obwohl diese nie mit den Erregern Kontakt hatten.

Auch bei Infektion zwei bis drei Wochen Antibiotika ausreichend

„Für eine von manchen Kollegen durchgeführte Langzeitbehandlung der Neuroborreliose mit Antibiotika gibt es ebenfalls keine wissenschaftliche Grundlage“, betont Rauer. Auswertungen wissenschaftlicher Therapiestudien zur Neuroborreliose (Borreliose mit Nervenbeteiligung) bestätigen, dass die Infektion mit einer zwei‐ bis dreiwöchigen Antibiotikatherapie in den meisten Fällen folgenlos ausheilt. „Das entspricht den Empfehlungen der DGN. Länger oder mehr Antibiotika zu geben bringt keinen Zusatznutzen. Im Gegenteil, die Übertherapie kann zu gravierenden Gesundheitsschäden führen“, betont Rauer.

Borrelioseverdacht bei unterschiedlichsten Beschwerden

Viele Patienten und auch eine Reihe von Ärzten machen eine nicht erkannte oder unzureichend behandelte Infektion mit Borreliose-Bakterien für die unterschiedlichsten Beschwerden verantwortlich. Sie soll noch Jahre nach dem Zeckenstich zu Erschöpfung führen, hinter Konzentrationsstörungen und Gedächtnisproblemen stecken, auf die Stimmung drücken, Kopfschmerzen, wandernde Gelenk‐ oder Muskelschmerzen und viele weitere schwer fassbare Beschwerden auslösen.

Typisch für Neuroborreliose: nächtliche, gürtelförmige Schmerzen

Die Lyme‐Borreliose ist die häufigste durch Zecken übertragene Krankheit in Europa. Schätzungen zufolge infizieren sich in Deutschland jedes Jahr zwischen 60.000 und mehr als 200.000 Menschen mit den spiralförmigen Bakterien. In 80–90 % der Fälle zeigt sich die Erkrankung an der Haut: Um den Zeckenstich bildet sich ein roter Rand, der sich langsam nach außen ausweitet. Die typische „Wanderröte“ kann aber auch fehlen. Innerhalb der ersten vier Wochen nach dem Zeckenstich kommen mitunter grippeähnliche Symptome dazu wie Muskel‐ und Gelenkschmerzen, Fieber und eine Schwellung der Lymphknoten.

Breiten sich die Erreger im Körper weiter aus, können sie die Gelenke befallen und selten auch das Herz. „In 3 bis 15 Prozent der Fälle ist das Nervensystem betroffen, dann sprechen wir von einer Neuroborreliose“, erklärt Rauer. „Anhand der typischen Symptome in Verbindung mit entzündlichen Veränderungen im Nervenwasser und dem positiven Antikörpernachweis können wir eine Neuroborreliose in der Regel zweifelsfrei feststellen.“ Charakteristisch sind nächtlich betonte, brennende und stechende Schmerzen, die häufig gürtelförmig verteilt sind und kaum auf herkömmliche Schmerzmittel ansprechen. Des Weiteren kann es zu Lähmungen vor allem der Gesichtsnerven, der Arme und Beine sowie zu weiteren neurologischen Symptomen kommen.

Weitere Informationen: www.dgn.org/presse/pressemitteilungen/51-pressemitteilung-2016/3311-neuroborreliose-falsche-diagnose-und-gefaehrliche-therapie

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurologie, www.dgn.org

Foto: Leigh Prather, Fotolia

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