Blutdruckanstieg: Wann den Arzt rufen?

Regelmäßiges Blutdruckmessen gehört zu den wichtigsten Vorsorgemaßnahmen gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Doch was tun, wenn Sie dabei auf einmal deutlich höhere Werte als sonst feststellen und Ihr oberer Wert trotz körperlicher Ruhe z. B. bei 190-200 mmHg statt wie vielleicht sonst üblich bei 140 mmHg liegt? Zwar reicht es in einer solchen Situation oft aus, erst einmal abzuwarten und die Messung einfach zu wiederholen, doch in bestimmten Fällen kann auch eine notfallmäßige Blutdrucksenkung erforderlich sein, um Schäden am Herz-Kreislauf-System abzuwenden.

Schon bei Anstiegen auf 170 mmHg den Notarzt rufen?

Ob ein Blutdruckanstieg gefährlich ist und sofort der Notarzt gerufen werden muss, hängt auch von der Vorgeschichte und Person ab. Wer z. B. schon viele Jahre einen schlecht eingestellten Blutdruck mit einem oberen Wert um 190 mmHg hatte, kann einen Anstieg für kurze Zeit auf 220 mmHg oft sehr gut verkraften, sodass kein notärztliches Einschreiten erfolgen muss. Dagegen kann bei einem ansonsten gesunden Menschen bereits ein plötzlicher Anstieg z. B. von 120 auf 170 mmHg gefährlich sein. Ein typisches Beispiel sind Blutdruckerhöhungen während der Schwangerschaft im Rahmen einer sogenannten Eklampsie. Auch wenn der obere Blutdruckwert in diesen Fällen deutlich unter 200 mmHg bleiben kann, erfordert er eine umgehende Notfallbehandlung.

Alarmzeichen Schmerzen im Brustkorb?

Auf einen Notfall deuten gleichzeitig auftretende Beschwerden hin, z. B. Schmerzen im Brustkorb, Atemnot oder verschwommenes Sehen. Denn diese können ein Warnzeichen sein, dass die Wände der Blutgefäße oder die Herzkammern dem Druckanstieg nicht standhalten. Dann besteht ein hohes Risiko für akute Schäden am Herz-Kreislauf-System bis hin zu Schlaganfall, Herzinfarkt oder Herzversagen. Andererseits kann auch eine Angstattacke zu (scheinbar) dramatischen Symptomen führen. Im Zweifelsfall kann nur eine ärztliche Untersuchung Sicherheit verschaffen.

Bei diesen Beschwerden müssen die Alarmglocken läuten

Bei starken Blutdruckanstiegen sollte immer dann der Notarzt (112) gerufen werden, wenn gleichzeitig mindestens eines der folgenden Symptome auftritt:

  • Schmerzen, Brennen oder ein starkes Druckgefühl im Brustkorb
  • Atemnot
  • Schwindel, evtl. auch mit Kopfschmerzen verbunden
  • Krampfanfälle
  • Lähmungen oder Sprechstörungen (wie sie z. B. auch bei einem Schlaganfall auftreten können)
  • starke Übelkeit mit oder ohne Erbrechen
  • verschwommenes Sehen
  • Nasenbluten
  • deutliche Benommenheit

Was tun, wenn keine Beschwerden auftreten?

Hohe Blutdruckwerte ohne Beschwerden sind in aller Regel kein Notfall. Möglicherweise haben Sie mit Ihrem Arzt bereits darüber gesprochen, was in dieser Situation zu tun ist. In manchen Fällen kann ein verordnetes Medikament nochmals eingenommen werden. Nehmen Sie aber keine Medikamente auf eigene Faust: Bestimmte Blutdrucksenker sind nicht zur kurzfristigen Blutdrucksenkung geeignet und lassen sich leicht überdosieren. Existieren keine Absprachen, ist daher zeitnah ein Arzt aufzusuchen, da hohe Blutdruckwerte zu den Hauptrisikofaktoren für Schlaganfälle, Herzinfarkte und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen und daher nicht verharmlost werden sollten.

Tipp: Hier die Herzstiftungs-Checkliste „Blutdruck-Anstiege“ zum Ausdrucken herunterladen: https://www.herzstiftung.de/pdf/Bluthochdruck/Blutdruck-Anstieg.pdf

Quelle: https://www.herzstiftung.de

Foto: efired - stock.adobe

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