Bildschirmmedien mindern Vorstellungskraft von Kindern

Zwei Kinder mit Tablet auf dem Sofa

Pädagogen der Universität Regensburg haben die Fähigkeit der Vorstellung bei Kindern untersucht – und zwar im Zusammenhang mit dem häuslichen Bildschirmkonsum, etwa per Fernseher, Tablet oder Smartphone. Dabei haben die Wissenschaftler herausgefunden, dass eine häufigere Nutzung von Bildschirmmedien mit einer verzögerten Entwicklung von Vorstellungsfähigkeiten einhergehen kann.

Die Vorstellungskraft ermöglicht es uns, Ereignisse oder Objekte wie vor einem „inneren Auge“ abzubilden. Dies wird nicht zuletzt auch beim Lesen deutlich. Wer etwa Goethes Italienische Reisen richtig liest, nimmt die beschriebenen Berge und Städte innerlich wahr. Dabei ist davon auszugehen, dass die Fähigkeit zur Erzeugung solcher inneren Bilder wesentlich auf tatsächlichen Erlebnissen und Erfahrungen mit entsprechenden Vorstellungsobjekten basiert. Generell stellt die Vorstellungskraft sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen einen wichtigen Baustein für kognitive Funktionen wie Denken, Problemlösen, Sprache und Fantasie dar.

Bildschirme ermöglichen hingegen fast ausschließlich visuelle und auditive Erfahrungen. Die über den Bildschirm vermittelten Reize und Bilder werden dem Zuschauer bereits „vollständig“ präsentiert. Die eigenständige Erzeugung oder Ergänzung von Bildern, wie dies beim Hören oder Lesen einer Sprache erforderlich ist, entfällt.

Die Wissenschaftler stellten fest, dass sich die Vorstellungskraft im Beobachtungszeitraum umso langsamer entwickelte, desto länger die tägliche Nutzung von Bildschirmmedien andauerte. Dies galt nicht nur für die passive Bildschirmnutzung, z. B. am Fernseher, sondern auch für die sogenannten aktiven Medien, wie Smartphone, Tablet oder PC.

Die Wissenschaftler raten daher zu einer besonneneren Bildschirmnutzung und mehr kompensatorischer Aktivität. Generell gilt, dass Bildschirmmedien persönliche Begegnung und Gespräche, Vorlesen und reale Erfahrung nicht ersetzen können. Kinder sollten immer ausreichend Gelegenheit erhalten, sich auch in der dreidimensionalen Welt aktiv und kreativ zu betätigen.

Quelle: www.kinderaerzte-im-netz.de

Foto: © shurkin_son - stock.adobe

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