Allergie: Hyposensibilisierug statt Medikamente

Gut Ding will Weile haben – das gilt auch in der Medizin. Allergiker kennen das Problem: Die Pollen fliegen, schnell greift man zu Nasenspray und Augentropfen, um die typischen Allergie-Beschwerden zu lindern. Aber der Erfolg währt - wenn überhaupt - nur kurz. Eine langfristige Lösung ist nur die Allergie-Impfung, in Fachkreisen Hyposensibilisierung oder spezifische Immuntherapie genannt.

Hierbei stellt sich der Arzt bei der Verordnung der spezifischen Immuntherapie häufig die Frage: Ist die Therapie indiziert, wirksam und auch wirtschaftlich? Hier bietet die neue Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) zur spezifischen Immuntherapie aktuelle Handlungsempfehlungen. Die Autoren stellen heraus, dass bei der spezifischen Immuntherapie besonders wichtig ist, dass sie nachhaltig wirkt. Hintergrund dafür ist, dass in der Allergologie z. B. der Schutz vor einer chronischen Asthma-Erkrankung eine besondere Rolle spielt, da sich bei Allergikern die Beschwerden vom Nasen-Rachen-Raum zusätzlich auch auf die unteren Atemwege und die Lunge ausbreiten können. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass fast ein Viertel der Patienten mit einem allergischen Schnupfen in Folge der Erkrankung auch von Asthma betroffen sind. Daher sollte aufgrund der qualitativen Unterschiede zwischen den angebotenen Präparaten gemäß Indikation eine produktspezifische Bewertung durch den Arzt vorgenommen und z. B. Präparate gewählt werden, für die eine Prävention von Asthma nachgewiesen werden konnte. Auch vor dem Hintergrund der über drei Jahre anfallenden Therapiekosten ist der grundsätzlich geltende Ansatz der evidenzbasierten Therapie von wesentlicher Bedeutung.

Ein weiterer Erfolgsfaktor der spezifischen Immuntherapie ist der Patient selbst: Der Allergiker muss die Therapie wollen, durchhalten und verstehen, warum diese Therapie drei Jahre dauert. „Diese drei Jahre sind die notwendigen Lehrjahre für den Körper, um die falsche Reaktion des körpereigenen Abwehrsystems zu beenden,“ stellt Prof. Dr. Karl-Christian Bergmann vom Allergiezentrum der Charité Berlin fest. Denn, die Aufgabe der spezifischen Immuntherapie ist es, das Immunsystem des Patienten Schritt für Schritt an die Allergene zu gewöhnen. Dafür erhält der Patient in regelmäßigen Zeitabständen bestimmte Mengen des Allergens, in Form von Injektionen oder Tropfen. Seit 2006 gibt es die spezifische Immuntherapie außerdem  in Tablettenform, die sich in dieser Anwendung bequem in den Alltag integrieren lässt.

Durch die Therapie "lernt" das körpereigene Abwehrsystem, die Allergene zu tolerieren und auf die in der Natur vorkommenden Allergene nicht mehr so stark zu reagieren. Der Vorteil: Die Beschwerden werden dauerhaft gelindert, die Lebensqualität wiederhergestellt – ganz anders als bei einer rein symptombezogenen Behandlung. Laut Studien ist die spezifische Immuntherapie in rund 80 % der Fälle erfolgreich. „Grundsätzlich gilt: Die Hyposensibilisierung ist die einzige Therapie, mit der wir die Allergie in den Griff kriegen können und den Patienten im Idealfall ganz von seinen Beschwerden befreien können. Das geht aber nur mit Präparaten, für die dieser Langzeiteffekt nachgewiesen wurde“, so Prof. Bergmann. Mit der Therapie kann man vor der anstehenden Pollensaison beginnen, aber je nach Allergie ist auch ein Start in der Saison möglich.

Foto: goodluz

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