Alkohol schädlicher als bislang angenommen

Bislang gilt eine tägliche Aufnahme von maximal 10 g (Frauen) bzw. 20 g (Männer) als ungefährlich. Dies entspricht einem Achtel bzw. einem Viertel Wein oder einem kleinen bzw. großen Bier. Nach einer aktuellen Untersuchung müssen diese Werte jedoch vor allem für Männer nach unten korrigiert werden. Denn bereits ein regelmäßiger Konsum von mehr als 100 g Alkohol pro Woche – also auch das Viertel Wein oder Bier am Abend – verkürzt das Leben erheblich. Dies berichtete ein internationales Forscherkonsortium in der neuesten Ausgabe der Fachzeitschrift „Lancet“.

In der Untersuchung verglichen die Wissenschaftler unter der Leitung von Angela M Wood und John Danesh, Universität Cambridge, die Trinkgewohnheiten von 600.000 Menschen aus 19 Ländern. Bei der Auswertung wurden Alter, Tabakkonsum, Bildungsniveau und Beruf berücksichtigt.

Die Grenze, über der mehr Schlaganfälle, tödliche Aneurysmen und Herzversagen sowie eine insgesamt höhere Gesamtsterblichkeit zu verzeichnen sind, lag bei 100 g Alkohol pro Woche. Das entspricht in etwa zwei Litern Bier oder knapp einer 0,75 l-Flasche Weißwein. Ein höherer Alkoholkonsum über 200 g pro Woche verkürzt die Lebenserwartung um ein bis zwei Jahre, ein Konsum über 350 g pro Woche sogar um bis zu fünf Jahre. Überraschenderweise fanden die Wissenschaftler entgegen bisheriger Veröffentlichungen keine nennenswerten Unterschiede zwischen Männern und Frauen in der alkoholbedingten Sterblichkeit.

Die Forscher beobachteten auch das bekannte Phänomen, dass bei moderatem Alkoholkonsum weniger Herzinfarkte auftreten. Sie bezweifeln jedoch, dass sich im Umkehrschluss moderates Trinken günstig auf die Sterberate an Herz-Kreislauf-Erkrankungen auswirkt. Dieses Missverständnis möchte auch Rudolf Kaaks vom Deutschen Krebsforschungszentrum ausräumen: „Die Obergrenze ist kein Ziel, das man mit seinem Trinkverhalten anpeilen sollte. Sie darf keinesfalls als Empfehlung missverstanden werden.“

Quelle: www.dkfz.de

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