Ärzte gegen Ramadan-Fasten für Kinder

Für Muslime begann am 6.6.2016 die wichtigste Zeit des Jahres, der Fastenmonat Ramadan. 29 Tage lang dürfen sie dann tagsüber weder essen noch trinken. Die Vorschrift gilt auch für Kinder, die die Pubertät erreichen. Sie gelten im Islam als mündig. Kinder, die die Pubertät nicht erreicht haben, werden ermutigt, so viele Tage zu fasten, wie sie können.

Aus Sicht der Kinder- und Jugendärzte ist das Fasten jedoch ungesund und schädlich, insbesondere der Verzicht auf Flüssigkeit. Dr. Thomas Fischbach, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte: „In diesem Jahr fällt der Ramadan in die Zeit der längsten und wärmsten Tage des Jahres. In Deutschland müssen Muslime mehr als 16 Stunden fasten, also auch nicht trinken. Dieses Gebot schädigt die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Der Grund: bei Kindern beträgt der Wasseranteil am Körpergewicht etwa 75 % (bei erwachsenen Frauen z. B. nur 46 %). Dieser Wasseranteil muss in Balance gehalten werden. Die Flüssigkeit, die durch Schwitzen etc. verloren geht, muss permanent ersetzt werden. Deshalb müssen Kinder und Jugendliche regelmäßig über den Tag verteilt ausreichend trinken. Anderenfalls drohen Erschöpfung, Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindelgefühl oder sogar ein Kreislaufkollaps. Kinder können noch weniger als Erwachsene ihren Flüssigkeitsbedarf in den Nachtstunden decken und dann für die langen Tage speichern."

Wie viel Wasser ein Kind pro Tag braucht, hängt von Alter, Geschlecht, Gewicht, Aktivitäten und Außentemperatur ab. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gibt dafür Richtwerte an.

Dr. Thomas Fischbach: „Wir appellieren an alle muslimischen Eltern: Sorgen Sie dafür, dass Ihre Kinder und Jugendlichen ausreichend trinken. Auch tagsüber! Stellen Sie ihnen Wasser, ungesüßte Tees oder Fruchtsaftschorlen hin, ermutigen Sie sie zu trinken, geben Sie ihnen beim Sport oder auf dem Spielplatz eine gut gefüllte Trinkflasche mit. Nutzen Sie den Ramadan, um von Limo, Fruchtsaftgetränken, Eistee und Cola auf gesundes Wasser umzustellen.“

Quelle: www.kinderaerzte-im-netz.de

Foto: © arapix, Fotolia

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